25.02.2016 Vortrag: Redewendungen vom Reisen von Hanspeter Rieder

Zehn Geschichten über Redewendungen vom Reisen

Für Mitglieder und Freunde von „Engage in Age“ erzählte Hanspeter Rieder Geschichten über Redewendungen, die ihren Ursprung im Reisen in vergangenen Zeiten haben. Mit vielen Bildern wurden die Ausführungen über den heutigen Gebrauch, den Ursprung und den Bedeutungswandel von Redewendungen illustriert.

Der Meilenstein in meinem Leben, in der Forschung, in der meilensteinpolitischen Entwicklung oder in der Umsatzentwicklung eines Unternehmens markiert eine Zäsur, einen wichtigen Punkt in der Erreichung eines weiter gesteckten Zieles. In der Postkutschenzeit war der Meilenstein eine wichtige Markierung am Wegesrand, denn eine preußische Meile von 7,5 km bedeutete ein Drittel der Tagesleistung auf der beschwerlichen, unbequemen Reise in der Postkutsche.

Trittbrettfahrer sind heute eher unangenehme Zeitgenossen. In der Postkutschenzeit nahmen zu Fuß reisende wie zum Beispiel Fahrende Gesellen, Studenten oder Künstler gerne die Gelegenheit wahr, auf dem Trittbrett einer Postkutsche ein Stück mitzufahren. Allerdings gab es auch damals schon Methoden, das Trittbrettfahren zu verhindern.

Schon immer waren Städte sehr kreativ im Erheben von Steuern und Abgaben. So mussten Fuhrwerke und Kutschen am Stadttor ein Pflastergeld für die Benutzung der gepflasterten Straßen innerhalb der Stadtmauern bezahlen. Die Redewendung „Köln ist ein teures Pflaster“ war geboren.

Das Fünfte Rad am Wagen war schon den Alten Römern als Redewendung bekannt. Eine neuere Version hat ihren Ursprung in einer eher unerwarteten Ecke: Als im 18. Und 19. Jahrhundert die vielen Kleinstaaten von Vermessungstrupps vermessen wurden, banden die findigen Ingenieure eine Schubkarre mit dem Entfernungsmesser hinten an ein Pferdefuhrwerk und konnten so sehr bequem Entfernungen messen. Die Funktion des fünften Rads am Wagen wurde von der Bevölkerung nicht verstanden und daher als überflüssig erachtet.

Vortrag 25.02.2016_600pxDu hast von Tuten und Blasen keine Ahnung bedeutet: Du bist absolut unfähig, dumm. Um den Ursprung dieser Redewendung zu verdeutlichen verwies H. Rieder auf die Funktion des Posthorns in der Postkutschenzeit und zeigte, dass mit dem heutigen Martinshorn der Feuerwehr und Polizei ein Nachfahre des Posthorns bis in unsere Gegenwart reicht.

Die wundersame Wandlung des Schmiergelds als ein wohlverdienter Lohn für das Abschmieren der Radnaben von Fuhrwerken und Kutschen durch den Schmierburschen zu dem heutigen Bestechungsgeld fand bei den Zuhörern rege Aufmerksamkeit.

Die Redewendung „Es ist allerhöchste Eisenbahn“ kann genau datiert werden. Sie stammt aus einem 1850 gerne gespielten Theaterstück, in dem ein Postmann seiner Geliebten einen langanhaltenden, umständlichen Heiratsantrag macht. Plötzlich fällt ihm ein: „Es ist allerhöchste Eisenbahn, die Zeit ist schon vor drei Stunden angekommen!“ Dieser theatralische Trick, um die Aufgeregtheit des verliebten Postmannes zu verdeutlichen, hat sich schnell herumgesprochen und bis heute erhalten.

Ich verstehe nur Bahnhof“ hat einen düsteren Ursprung: Die Soldaten im Ersten Weltkrieg sehnten sich nachhause zu Frau und Kind. Bei neuen Einsatzbefehlen fiel ihnen nur noch der Bahnhof als der Ort ein, wo die Züge in die Heimat losfuhren. Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet die Redewendung „ich will nichts verstehen, ich habe auf Durchzug geschaltet“.

Ebenfalls aus dem Ersten Weltkrieg, diesmal von der Luftwaffe, stammt „ich habe mich total verfranzt“. Eine Besatzung der 2-sitzigen Kampfflugzeuge bestand aus Pilot und Beobachter. Es entstand die Gewohnheit, den Piloten immer „Emil“ und den Beobachter immer „Franz“ zu nennen. Wenn also der Franz, der auch Navigator war, nicht die richtige Flugroute fand, dann hat sich der Flieger verfranzt.

alles in butterZum Schluss des Vortrags gab H. Rieder seiner Hoffnung Ausdruck, dass bei seinen Zuhörern alles in Butter sein möge. Er nahm sie mit auf eine Reise nach Murano, wo seit über tausend Jahren wertvolle Gläser hergestellt werden. Um die zerbrechliche Ware auf den holprigen Wegen unbeschadet zu transportieren, stapelten die findigen Glasbläser die Gläser in Fässern und gossen sie mit heißer, flüssiger Butter aus. Nach Erkalten der Butter waren die Gläser geschützt, auch wenn ein Fass mal auf den Boden fiel.

H. Rieder bedankte sich bei seinen Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit und interessierten Zwischenfragen. Frau Dr. Uschi Ziese dankte den Mitgliedern und Freunden des Vereins für ihr Interesse und wünschte gute Heimreise.

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